Geschichte des Stollns
Rothschönberger Stolln – eine technische Meisterleistung
Der Rothschönberger Stolln ist ein monumentales Zeugnis der Bergbautradition des Erzgebirges. Zwischen 1844 und 1877 wurde dieser gigantische Wasserlösestolln gebaut – über 33 Jahre hinweg mit Innovation und Ausdauer. Seit über 148 Jahren entwässert er das Freiberger Bergbaurevier und zählt als eines der längsten funktionierenden Entwässerungsstollen weltweit. Mit einer Gesamtlänge von über 50 km, davon 13,9 km fiskalischer Teil, ist der Rothschönberger Stolln der größte Wasserlösestolln Sachsens und leitet täglich etwa 3 – 400 Liter pro Sekunde ab – ein technisches Meisterwerk aus dem 19. Jahrhundert, das heute zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří gehört.
Vom Bergbau zur modernen Nutzung
Die Anfänge des Rohstoffabbaus in größeren Teufen erforderten neue Lösungen. Der sächsische Staat fasste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den ehrgeizigen Plan: Ein Wasserlösestolln sollte die wachsende Wasserproblematik im Freiberger Revier bewältigen. Mit Gegenortbetrieb – simultanes Vortreiben von zwei Seiten über 8 Lichtlöcher – wurde der Stolln realisiert.
Der fiskalische Teil wurde vom Staat finanziert, die Bergbauunternehmen mussten in ihrem Bereich Flügelstolln fortsetzen. So entstand ein unterirdisches Netzwerk von über 50 km Gesamtlänge.
Der Stolln wurde ein Herzstück der bergmännischen Wasserwirtschaft im Freiberger Revier und Teil eines Systems. Wasser aus höher gelegenen Gebirgsregionen wurde in kilometerlangen Kunstgräben und Röschen zu den Förderanlagen geleitet und zusammen mit dem Grubenwasser im Stolln abgeleitet. Der Rothschönberger Stolln ermöglichte, dass der Bergbau in größere Teufen vordringen konnte.
Der Bau begann 1844 unter K.G. Adalbert von Weissenbach. Nach 33 Jahren harter Arbeit mit acht Lichtlöchern, innovativen Techniken wie Theodolithen und Dampfmaschinen erfolgte der letzte Durchschlag am 21. März 1877, gefolgt von der Einweihung am 12. April.
Obwohl der Bergbau 1969 endete, hat der Stolln noch heute praktische Bedeutung. 2002 bewies er seine Kraft: Enorme Wassermengen, die aus Altbergbau-Hohlräumen eindrangen, wurden unterirdisch abgeführt.
Das
[Lehrbergwerk der TU Freiberg „Reiche Zeche“ →] kann dank des Stolln bis 230 m Tiefe betrieben werden. Ein stillgelegtes Kavernenkraftwerk am
[Drei-Brüder-Schacht →] zeugt von der Technikgeschichte nach Einstellung des Bergbaus. Und letztlich repräsentiert der Stolln die bergmännische Wasserwirtschaft des 19. Jahrhunderts.
Die folgenden Technische Daten und Abmessungen zeigen die beeindruckende Ingenieurleistung des 19. Jahrhunderts.
Serviceliste
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LängeListenelement 1
über 50 km (davon 13,9 km fiskalischer Teil)
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BauzeitListenelement 2
1844-1877 (33 Jahre)
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Höhe & BreiteListenelement 3
Überwiegend: 3 m hoch und 2,5 m breit
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Ausmauerung
Teils aufwändiges Sandsteingewölbe
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Wasserdurchfluss
ca. 370 l/s mittlerer Abfluss
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Abzugsrösche
Letzte Sektion mit direkter Einleitung in die Triebisch
Die zwei Mundlöcher in Rothschönberg
HAUPTMUNDLOCH
Das prächtige Portal mit großem Zugangstor markiert den ebenerdigen Haupteingang auf 191,5 m ü. NHN. Hier öffnet sich der trockene Bereich zu Stolln und Abzugsrösche, mit Treppe zum tieferen Ausbauquerschnitt aus Sandstein. Besucher blicken auf die Halde des Auffahrungsgesteins und erhalten Infos von Infotafeln des Heimatvereins.
RÖSCHENMUNDLOCH
Am Ende des Stollns tritt das Grubenwasser in die Triebisch aus – jederzeit zugänglich über einen 600 m Waldweg vom Perneberg zur Treppe. Infotafeln am Pegelhaus und am Geopfad Triebischtal erklären die bergmännische Wasserwirtschaft. Der Heimatverein Rothschönberg pflegt beide Mundlöcher und bietet Führungen, z. B. zum Tag des Denkmals, an.
UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří
Wir sind Welterbe!

Als Teil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří repräsentiert der Rothschönberger Stolln die große Tradition der sächsischen Wasserwirtschaft im Bergbau. Als mächtiger Wasserlösestolln des Freiberger Reviers zeigt er, wie mithilfe eines unterirdischen Entwässerungssystems tiefere Lagerstätten erschlossen und ganze Bergreviere gesichert werden konnten – ein zentrales Argument für die Aufnahme der Montanregion in die UNESCO‑Liste.
Unser Heimatverein betreut nicht nur die Besucher an den Mundlöchern und den 2022 eröffneten Infopunkt zum Welterbe im Ausstellungsraum des Schlosses Rothschönberg, sondern sorgt für ein ordentliches Erscheinungsbild und initiiert Werterhaltungsmaßnahmen.
Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist seit 2019 als UNESCO‑Welterbe anerkannt und verbindet auf deutscher und tschechischer Seite zahlreiche historische Bergbaugebiete zu einer gemeinsamen Kulturlandschaft. Im Mittelpunkt stehen technische Denkmale, historische Grubenbauten, Wasserlösungsanlagen und Bergbaustädte, die zusammen die Entwicklung des Erzbergbaus vom Mittelalter bis in die Neuzeit dokumentieren.
Bergbaugeschichte erleben
Führungen am Rothschönberger Stolln
Der Rothschönberger Stolln gilt als technisches Herzstück der Bergbaugeschichte im Triebischtal. Bei unseren Führungen an den beiden Mundlöchern erhalten Besucher einen unmittelbaren Eindruck von der Dimension dieses Wasserlösestollns und seiner Bedeutung für das Freiberger Revier.
Vor Ort wird verständlich erklärt, wie der Stolln angelegt wurde, welche Wassermengen er bis heute ableitet und weshalb er Teil des UNESCO‑Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist. Zum Tag des offenen Denkmals ist das Stollntor am Hauptmundloch geöffnet, ausgeleuchtet und der Heimatverein Rothschönberg betreut die Besucher. Darüber hinaus gibt es zu verschiedenen Anlässen weitere Öffnungen bzw. Führungen, die im [Veranstaltungskalender →] angekündigt werden.
Interessierte können eine Stollnführung telefonisch
oder über das
[Kontaktformular →]
der Website anfragen. Ideal sind unsere Führungen für Wandergruppen, Heimat- und Technikinteressierte sowie Schulklassen, die die Themen Bergbau, Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung direkt vor Ort erleben möchten.
Gemeinsam für die Region
Die IG Rothschönberger Stolln
Die IG Rothschönberger Stolln wurde 2022 gegründet und verbindet 5 engagierte Vereine entlang des rund 51 Kilometer langen Wasserlösestollns. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, das technische Meisterwerk des Freiberger Bergbaus zu erhalten und als Teil des UNESCO‑Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří erlebbar zu machen. Im Netzwerk wird über Aktivitäten, Führungen, Ausstellungen, denkmalpflegerische Arbeiten und Bildungsangebote informiert und Gemeinschaftsveranstaltungen werden koordiniert.
Mitglieder der IG Rothschönberger Stolln

Serviceliste
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Heimatverein Rothschönberg e.V.Listenelement 1
Betreuung von Hauptmundloch und Röschenmundloch im Triebischtal, Welterbe‑Infopunkt und Ausstellungen im Schloss Rothschönberg.
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Verein IV. Lichtloch des Rothschönberger Stolln e.V. (Reinsberg)Listenelement 2
Historische Anlagen auf dem Huthausgelände mit Einblick in die Schachtanlage mit saniertem Schacht, Radstube und untertägigen Führungen durch die Abzugsrösche. Ausstellung über den Bau des Rothschönberger Stollns.
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Verein VII. Lichtloch e.V. (Halsbrücke)Listenelement 3
Ensemble mit Schachthaus, Bergschmiede und Pulverhaus, Ausstellungen zur Bergbaugeschichte und regelmäßige Aktionstage.
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Förderverein Himmelfahrt Fundgrube Freiberg/Sachsen e.V.Listenelement 4
Besucherbetrieb des Silberbergwerks Freiberg („Reiche Zeche“ und „Alte Elisabeth“), Führungen und Traditionspflege.
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Förderverein Drei‑Brüder‑Schacht e.V. (Freiberg OT Zug)
Betreuung der übertägigen Anlagen des historischen Kavernenkraftwerks am Zugangspunkt zum südlichen Abschnitt des Rothschönberger Stollns. Ausstellung „Wasserleben“
Gemeinsam zeigen diese Partner, wie vielfältig der Rothschönberger Stolln und seine Anlagen sind – von der Ausleitungsstelle des Grubenwassers im Triebischtal bis zu Schachtanlagen, Besucherbergwerken und Kraftwerksgeschichte im Freiberger Raum.
Der IG Rothschönberger Stolln lädt dazu ein, ihr Stationen am Stolln zu besuchen.
Weitere Information finden Sie ebenfalls im Flyer der IG Rothschönberger Stolln (linksstehende Karte aus dem Flyer).
Weitere Informationen
Sie möchten mehr über den Rothschönberger Stolln erfahren?
Rechts sehen Sie die Titelseite des Flyers der IG Rothschönberger Stolln und ein Foto der Erinnerungstafel am Durchschlagspunkt des Stollns zum Revierteil. Dieser sogenannte Verstufungspunkt kennzeichnet das Ende der Leistungsgrenze der vom Staatsfiskus getragenen Baukosten.
Das auf der Tafel vermerkte Fertigstellungsdatum, der 21. März 1877, macht deutlich: Der Königliche Rothschönberger Stolln blickt im Jahr 2027 auf sein 150-jähriges Bestehen zurück.
Der Flyer der IG Rothschönberger Stolln ist wieder verfügbar und bietet weiterführende Informationen zu den Objekten der 5 Vereine.

