Rothschönberg im Triebischtal – eine ehemalige Rittergutssiedlung
Rothschönberg liegt im mittleren Triebischtal, etwa auf halber Strecke zwischen Tharandter Wald und Meißen. Der Ort geht auf eine Rittergutssiedlung der Familie von Schönberg zurück, die hier über Jahrhunderte ihren Stammsitz hatte und den Hof zu einem ausgedehnten Schloss‑ und Gutskomplex ausbaute. Noch heute erkennt man diese Herkunft: Am Schlossparkplatz lag einst der untere Hof des großen Ritterguts, das eine Fläche von rd. 500 Hektar bewirtschaftete. An der Kastaniengruppe schloss sich der obere Wirtschaftshof an. Zum Gut gehörte auch eine Schäferei, dessen großes Gebäude sich östlich des Parks befindet.
Nach 1945 wurde das Gut im Zuge der Bodenreform aufgelöst. Die Flächen gingen an Neubauern über, aber am Rittergut entstand eine der ersten landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG). Das Dorf war bis 1838 unselbständig und die Bewohner mit kleinen Anwesen für Schloss und Rittergut tätig. Große Bauernhöfe findet man im Ort daher nicht. Rothschönberg war ab 1990 Sitz der Gemeinde Tanneberg mit Rothschönberg und seit 1999 Ortsteil der Gemeinde Triebischtal. Heute gehört Rothschönberg zu den 43 Ortsteilen der Gemeinde Klipphausen.
Trotz dieser Veränderungen prägen Schlossensemble, der baumbestandene Großgarten mit Natursteinmauer, Schäfereigebäude, teils erhaltene Gebäude der Häusler-Anwesen, alte und neue Schule, das Gasthofgebäude, Pfarrhaus und die kleine Kirche auf der Höhe das Bild einer gewachsenen Gutssiedlung.
Geografisch liegt Rothschönberg an einer markanten Biegung der Triebisch: Der Fluss knickt hier nach Norden ab, nimmt den Tännichtbach und das Wasser des Rothschönberger Stollns auf und man findet in diesem Bereich viele Rundbogenbrücken. An dieser Stelle teilt sich das Tal in einen stillen, waldreichen Südbereich und die Verkehrsachse Meißen–Nossen im Norden. Die Höhenlage reicht von etwa 200 bis 289 m über NN.
Geologisch befinden wir uns in den Resten eines ehemaligen Hochgebirges. Vor etwa 350 Millionen Jahren entstanden hier Meeresablagerungen, die sich verfalteten und später wieder abgetragen wurden. Die Triebisch hat diese Schichten freigelegt - sichtbar an den Falten des Schiefergesteins am Weinberg. Im Tännicht steht bereits Gneis an, der beim Bau am 1. Lichtloch gebrochen wurde. In der weiteren Umgebung findet man magmatische/vulkanische Gesteine.
Das Triebischtal rund um Rothschönberg steht seit 1974 als Landschaftsschutzgebiet unter Schutz, Teile sind als FFH‑Gebiet nach Natura 2000 ausgewiesen. Naturnahe Flussabschnitte mit Auen, Laubmisch‑Hangwälder, Streuobstwiesen und markante Einzelbäume bilden ein dichtes Mosaik von Lebensräumen.
Typisch sind im Ort die vielen Lindenstandorte, vor allem die geschützte Lindenallee im Schlosspark. Wer sich dem Ort nähert, erlebt jeweils ein anderes Bild: aus dem Süden Stollntor und Pernebrücke, aus dem Osten die Mühlenhöfe von Wetzelmühle/Appenhof und Bleymühle, aus dem Norden die Dorfsilhouette mit Kirche und Häusergruppe „Am Tempel“, aus dem Westen das Schlossensemble mit Großgarten.
Rothschönberg befindet sich inmitten einer alten Kulturlandschaft am Übergang von der fruchtbaren Lommatzscher Pflege zu den stärker bewaldeten Gebieten der mittelalterlichen Ostkolonisation. Im 10. Jahrhundert verlief hier die Grenze des slawischen Gaues Daleminze. Später kreuzten sich an dieser Stelle wichtige Wege zwischen Meißen und Freiberg sowie Dresden und Altzella. Heute leben im Ort rund 200 Einwohner, eine Mischung aus alteingesessenen Familien und Zugezogenen, viele arbeiten außerhalb, pflegen aber ihre Häuser und Gärten und engagieren sich im Heimatverein. Schloss, Stolln und Dorfgeschichte werden so Schritt für Schritt wieder sichtbarer und Rothschönberg bleibt als ehemalige Rittergutssiedlung im Triebischtal ein klar erkennbarer, historisch geprägter Ort.
Bilder aus Rothschönberg
Sehenswertes in und um Rothschönberg
Natur erleben
Wandern im Triebischtal
Rothschönberg liegt inmitten des reizvollen großen Triebischtals, das seit 1974 als Landschaftsschutzgebiet und seit 2011 größtenteils als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (Natura 2000) ausgewiesen ist. Naturnahe Flussläufe, Laubmischwälder, Streuobstwiesen und Aussichtspunkte laden zum Entdecken ein. Wer in und um Rothschönberg wandern möchte, findet hier viele Möglichkeiten für abwechslungsreiche Touren. In der Region gibt es mehrere überregionale und lokale Wanderwege, die Natur, Kultur und Geschichte miteinander verbinden. Viele schöne Wanderwege kreuzen oder beginnen hier.
Serviceliste
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Nationaler Fernwanderweg „Hauptwanderweg Ostsee – Saaletalsperren“Listenelement 1
Der Weg führt auf einem Abschnitt direkt durch das Triebischtal und macht Rothschönberg zu einem wichtigen Etappenpunkt.
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Wanderliebling „Durch die Triebischtäler“ (Tourismusverband Dresden Elbland)Listenelement 2
Die Tour verbindet Sehenswürdigkeiten wie Schloss Rothschönberg, historische Mühlen und Aussichtspunkte mit idyllischen Naturerlebnissen.
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„Schloss- und Rittergutstour“ | Rundtour Heynitzer Weg über MunzigListenelement 3
Diese Rundtour führt über den Heynitzer Weg und Munzig und verbindet mehrere historische Gutshöfe, Mühlen und Ausblicke ins Triebischtal – ein Einblick in die Kulturlandschaft rund um Rothschönberg.
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„Geopfad Triebischtal“Listenelement 4
Der geologisch-bergbauhistorische Lehrpfad von Rothschönberg nach Miltitz zeigt die Besonderheiten der Landschaft und erläutert die Spuren des Bergbaus entlang der Route.
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„Geologischer Wanderweg Oberes Triebischtal“ (GWOT)
Von Rothschönberg führt der Weg ins obere Triebischtal bis nach Mohorn und macht geologische Besonderheiten und die Entstehung der Landschaft erlebbar.
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Gebietswanderweg „Roter Punkt“
Der Triebischtal-Wanderweg zwischen Meißen und Tharandter Wald bietet eine abwechslungsreiche Strecke durch das gesamte Tal – Rothschönberg ist dabei eine besonders reizvolle Etappe.
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Rundgang Rothschönberg (unmarkiert, ca. 3 km)
Ein kurzer, lohnender Rundweg vom Schloss über den Heuweg zum Hauptmundloch des Rothschönberger Stollns, weiter auf den Bleiberg mit Aussicht ins Tal und zurück zum Schloss – ideal als Einstiegstour oder zur Ergänzung einer Schloss- oder Stollnführung.


